Interview mit Gerd Frey (20.08.16)

 

Hallo Gerd, vor etwa fünf Jahren erschien erstmals deine packende Kurzgeschichtensammlung „Tödliche Aussichten – Dark Fiction“. Bitte berichte doch ein bisschen über die Entstehung dieses Werkes.

 

Ich hatte meine erste größere Veröffentlichung mit einem Band Kurzgeschichten im Jahr 2002. Das Buch erschien unter dem Titel „Dunkle Sonne“ im Shayol-Verlag und enthielt viele Kurzgeschichten, die vorher überwiegend in dem SF-Magazin „Alien Contact“ publiziert wurden. „Dunkle Sonne“ kam auf Platz 1 des Deutschen Phantastik Preis (dpp) 2003 in der Kategorie Beste Original-Anthologie/Kollektion.

„Tödliche Aussichten“ ist eine deutlich erweitere Ausgabe dieses Buches. Neben etlichen Neuveröffentlichungen enthält „Tödliche Aussichten“ auch überarbeitete ältere Texte, die nicht in „Dunkle Sonne“ aufgenommen wurden. Zwei Geschichten habe ich auch herausgenommen. „Tödliche Aussichten“ erlangte zudem den 1. Platz beim dritten Autorenwettbewerb neobooks, 2011.

 

Deine Geschichten behandeln zumeist klassische Science Fiction Themen wie Begegnungen mit Aliens und Weltraumreisen. Woher nimmst du deine Inspiration?

 

Ich war schon als Kind ein fantasiebegabtes Wesen. Die Lust, dieses Kopfkino anderen mitzuteilen, treibt mich noch heute beim Schreiben an. Woher meine Ideen stammen, kann ich nicht erklären. Es ist die pure Lust am Fabulieren. Es macht mir einfach Spaß, Welten zu entwerfen und den Verlauf einer Handlung bestimmen zu können.

 

Du bist seit deiner Jugend ein begeisterter Hobby-Astronom. Wie bist du darauf gekommen, die Sterne zu beobachten?

 

Schon als kleines Kind habe ich fasziniert die Wolken beobachtet und mich für Wetterphänomene interessiert. Später begeisterte mich die kaum fassbare Vorstellung von der unendlichen Weite des Universums. Ich war neugierig, wie es da draußen wohl aussehen mag. Besonders die Planeten unseres Sonnensystems hatten es mir angetan. Als ich das erste Mal mit einem Fernrohr Jupiter und seine Monde beobachten konnte, rückte diese ferne Welt plötzlich ganz nah an mich heran. Das war wie ein kleines Wunder. Ich konnte Jupiter nicht nur als Lichtpunkt unter den Sternen wahrnehmen, sondern als „greifbare“ Planetenkugel. Selbst der Ring des Saturn lässt sich mit einem einfachen Fernrohr noch gut erkennen.

 

Glaubst du an außerirdisches Leben?

 

Mit Glauben habe ich es nicht so. Ich halte es aber für ziemlich wahrscheinlich, dass wir in diesem riesigen Weltall nicht allein sind. Allerdings vermute ich, ein möglicher Kontakt sieht nicht so aus, wie dies in Star Trek und Co vorgeführt wird. Ich bin da viel näher an den Vorstellung von Stanislaw Lem, der in „Solaris“ eindrucksvoll gezeigt hat, wie schwierig und fremdartig ein solcher Kontakt aussehen könnte.

 

In deinen Geschichten findet sich auch häufig Kritik an der Gesellschaft sowie an der Menschheit wieder. Wolltest du damit auch eine bestimmte Botschaft vermitteln?

 

Mit Sorge beobachte ich immer wieder, welche Macht Ideologien haben. Ob es die stalinistische Ideologie der ehemaligen Sowjetunion, der aktuelle Marktfundamentalismus der westlichen Welt oder der fundamentalistische Islam sind. All diese Entwicklungen bereiten mir viel Sorge und ich versuche solche Themen in meinem literarischen Texten aufzubereiten. All diese Ideologien führen dazu, dass man die eigenen Positionen nicht mehr hinterfragt, die Welt in Gut und Böse unterteilt und Menschen fanatisiert. Unterstützt wird dies durch die wachsenden Ungerechtigkeiten weltweit.

Die eigentlichen Probleme, die man aber angehen sollte, bleiben dafür oft auf der Strecke. So zerstören wir weiterhin unseren Lebensraum und erreichen hier vielleicht schon in absehbarer Zeit einen Kippzustand, der die Existenz unserer ganzen menschlichen Zivilisation gefährdet.

 

Bist du der Meinung, dass die Menschheit den Weltraum erkunden und andere Planeten besiedeln sollte?

 

Obwohl ich die Vorstellung faszinierend finde, fremde Planeten zu erforschen, kann ich mir im Moment nicht vorstellen, dass dies wirklich einmal im großen Stil umgesetzt werden wird. Wir schaffen es ja kaum, unseren eigenen Planten im Gleichgewicht zu halten. Wie sollen wir da andere Planeten besiedeln können, die deutlich lebensfeindlicher als die Erde sind? Umsiedeln lässt sich die Menschheit ohnehin nicht. Das wäre schon energietechnisch der reinste Wahnsinn. Die Probleme, die wir hier haben, werden dadurch auch nicht gelöst. Zudem sind die Entfernungen im Weltall gewaltig. Selbst die Planeten unseres Sonnensystems lassen sich nicht so ohne weiteres besiedeln.

Nur eine sehr langsame Expansion mittels Kolonien im Sonnensystem wäre vielleicht möglich. Aber dies bedeutet sicher nicht, dass man einfach mal so mit einem Raumschiff zwischen Erde und Mars pendeln kann. Bisher scheint auch kein alternatives Antriebssystem technologisch möglich zu sein. Das Rückstoßprinzip ist extrem energieintensiv und ermöglicht auch nur sehr langsames Reisen innerhalb des Sonnensystems. Die bisher nur theoretisch angedachten Sonnensegelkonzepte würden auch nur langsame Reisevarianten zulassen.

 

Könntest du dir vorstellen selbst in den Weltraum zu fliegen?

 

Ich bin da ganz ehrlich. Ich hätte ziemlich Schiss. Ich würde da die virtuelle Variante vorziehen.

 

Welche anderen Autoren begeistern dich mit ihren Büchern ganz besonders?

 

Nun, ich habe die literarische Form der Science Fiction mit den besseren Büchern von Robert Silverberg lieben gelernt und bin ihr bis heute treu geblieben. Beeinflusst haben mich weiterhin Stanislaw Lem, Jack Vance, Michael Moorcock, Philip K. Dick oder Ian McDonald. Es gibt auch einige deutsche Autoren, die ich sehr gern gelesen habe. Darunter Rainer Fuhrmann, Herbert W. Franke, Michael Szameit. Johanna und Günter Braun, Angela und Karlheinz Steinmüller, Thomas Ziegler und noch einige mehr.

Eine Sonderstellung nimmt für mich George Orwell (dazu zählt auch seine Gegenwartsliteratur) ein. Orwell wird leider oft instrumentalisiert, weil sich viele Personen nur die Kritik aus seinen Büchern herausnehmen, die ihnen passt.

 

Und der beste Science Fiction Film aller Zeiten ist?

 

Mich auf einen Film festzulegen fällt mir wirklich schwer. Zu meinen Favoriten zählen solche Filme wie Blade Runner, Donnie Darko oder Gattaca. Ich mag aber auch solche Art-Filme wie Tarkowskis Stalker oder Stanley Kubricks Dr. Seltsam.

 

Welche Projekte darf man in Zukunft von dir erwarten?

 

Mein Dark Fantasy-Roman "Irodis Stern" steht kurz vor seiner Fertigstellung. Doch auch so liegen noch etliche Ideen bereit, die nur auf eine Umsetzung warten. Dazu zählt ein SF-Episodenroman, der in einem fiktiven kleinen ländlichen Ort spielt, eine humorvolle Tierfabel und ein Sachbuch über politische Themen mit dem Arbeitstitel "Verantwortung". Zudem werde ich wieder mehr Kurzgeschichten schreiben. Hier gibt es wahrscheinlich eine verstärkte Hinwendung zum psychologischen Horror.

 

(Das Interview führte Uwe Siebert / Pandämonium Verlag mit Gerd Frey)